Textkultur

Text + Kultur, Textkultur, Literatur und Kulturwissenschaftliches, Literaturtheoretisches, Literarisches, Kulturelles, Aktuelles

Mein Foto
Name:
Standort: Köln, NRW, Germany

23.8.05

Gewisse Erkenntnisse

So, nachdem ich dem "Digital ist besser"-Rat gefolt bin und einige WJT-Bilder hier hinein gesetzt habe, wollte ich noch zwei Texte nachfügen.
Der eine ist ein Auszug aus der brillanten Predigt des Papstes, ich finde sie zeigt sehr gut, wie man Texte und Zusammenhänge ausgezeichnet aus- und darlegt.
Der andere ist aus dem Ersten Korintherbrief. Nicht nur, dass die Stelle herrlich ist, sie lädt zum Interpretieren sehr ein. Ich werde mich an einer kurzen Exegese üben und hoffen, Leser werden darauf eingehen und mir vielleicht ihre Ansichten ergänzend oder revidierend mitteilen.

Ach ja...das copyright liegt bei Gott.



(1) Jesus folgt den Riten Israels. Er spricht das Preis- und Segensgebet über das Brot. Aber nun geschieht Neues. Er dankt Gott nicht nur für die großen Taten der Vergangenheit, er dankt ihm für seine Erhöhung, die im Kreuz und in der Auferstehung geschieht. Dabei spricht er auch zu den Jüngern mit Worten, die die Summe von Gesetz und Propheten in sich tragen: „Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“ Und so teilt er Brot und Kelch aus und trägt ihnen zugleich auf, das, was er jetzt sagt und tut, immer neu zu sagen und zu tun zu seinem Gedächtnis.

Was geschieht da? Wie kann Jesus seinen Leib austeilen und sein Blut? Indem er Brot zu seinem Leib und Wein zu seinem Blut macht und austeilt, nimmt er seinen Tod vorweg, nimmt er ihn von innen her an und verwandelt ihn in eine Tat der Liebe. Was von außen her brutale Gewalt ist, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar. Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlssaal geschah und die dazu bestimmt war, einen Prozeß der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, daß Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15, 28). Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben. Weil er den Tod in Liebe umformt, darum ist der Tod als solcher schon von innen her überwunden und Auferstehung schon in ihm da. Der Tod ist gleichsam von innen verwundet und kann nicht mehr das letzte Wort sein. Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Haß, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, das das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht. Darum sprechen wir von Erlösung: Das zuinnerst Notwendige ist geschehen, und wir können in diesen Vorgang hineintreten. Jesus kann seinen Leib austeilen, weil er wirklich sich selber gibt.



(2) Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit, sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles.

Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindliche Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.


Und so sehe ich aus.


Die Kirche vor meiner Wohnung...hat was Phallisches.


(3)


(2)


Das Ufo in 3 Ausf�hrungen: (1)


Auch Mary Poppins war auf dem Marienfeld.


Polizisten und Schaulustige vor der Synagoge bei den Vorbereitungen.


Im Hintergrund, das Wei�e, er nennt es "Papa-Auto".


Da tut sich was.


Warten auf Benedetto.


Das waren die ersten Pilger, die ich sah (12.8.).

16.8.05

Ideen

Habe den gestrigen Abend mit gewissen Schreiberein verbracht und mir gedacht, vielleicht doch mal eine Kleinigkeit hier hinein zu stellen. Es ist nicht groß und bedarf noch der Überarbeitung, aber mal eben so und als Appetitanreger.



An einem späten Tag im September, als man auf das Genaueste beobachten konnte, wie jäh die Kraft des Sommers erlosch und von herbstlicher Reife abgelöst wurde, als alles zwischen sich stand und auf das Beste zu benennen war und dabei am Wenigsten um sich selber wusste, gegen Mittag, geschah Claudia Maria Schlechterfeld etwas ungeheuer Peinliches. Die ganzen Stunden über war kaum Verkehr gewesen und sie konnte sich selber am geringsten erklären, wie sie plötzlich auf einer Landstraße, bei völliger Regungslosigkeit des Himmels und gelinden Witterungsbedingungen, abkam, die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und frontal in einen Baum raste, es war eine Linde. Schreckliche Scham befiel sie, als sie gewahr wurde, einen Unfall gebaut zu haben, verdiente sie ihr Geld doch damit, Dinge herumzufahren, war geübt im meistern schwieriger Wege und nun sollte ihr eine gerade Straße, eine der einfachsten, die sie kannte, zum Verhängnis werden. Sie versuchte sich des Moments des Ausscherens zu vergegenwärtigen, erinnerte sich ihrer Ansicht, dort sei eine Kurve, doch da war keine. Sie blickte aus dem Fenster, sah nach rechts in ein Feld, dort blühte der Mohn, zur Linken standen Wegwarten, die gerade ihre Kelche geöffnet hatten. Die Linde war angeknickt, die Kühlerhaube zerstoben und bis an die Frontscheibe, oder das, was von ihr übrig war, eingedrückt. Am merkwürdigsten war jedoch, dass sie sich selber anscheinend nicht verletzt hatte, kein Splitter steckte in ihrer Haut, sie hatte keine Kopfschmerzen, ihre Pupillen, die sie im Rückspiegel betrachtete, wirkten kugelrund und voll wie stets, kein Glied ihres Körpers fühlte sich anders an als vor dem Aufprall, abgesehen von der Hundselendigkeit, die sie aufgrund ihrer peinlichen Tat empfand und die sich eben noch dadurch verstärkte, dass ihr nichts zuleide gekommen war, weil dies sicherlich ganz misstrauisch wirken werde.
Als sie festgepresst in ihren Sitz mit geschlossenen Augen in sich hörte und nach Stellen spürte, die in Mitleidenschaft gezogen waren, bemerkte sie plötzlich eine Schwere zwischen ihren Beinen. Sie dachte zuerst, sie sei durch dieses Ereignis erregt worden, denn das Leben hat oft die merkwürdige Eigenschaft als Reaktion auf das Angesicht des Todes gewaltsam seine Kraft zeigen zu wollen und versuchte, diese Regung ganz von sich abzustreifen, sie schien ihr unangebracht und vergrößerte ihr Unwohlsein nur noch, weil dies doch so überhaupt nicht passe und ihr in diesem Moment die falscheste Sache auf der Welt war. Es verging aber nicht. Mit der Zeit wusste Claudia Maria auch, dass es keine Erregung war, wusste aber auch nicht, was es sein sollte. Womöglich war es die Wunde, die sie bislang nicht gefunden hatte und die, zwar an ungewöhnlicher und schwer erklärbarer Stelle, ihr ein wenig die verlorene Ehre zurückgeben könnte. Sie öffnete ihre Hose und sah Blut. Hastig und übereilt zog sie sich nun die Jeans aus, erkannte eine sonderbare Ausbuchtung, die sie nicht ganz verstand und riss sich dann auch ihren Slip herunter. Was sich dahinter zeigte war – ein Penis! Claudia wollte weinen, das tat sie dann auch.

15.8.05

Einführung

So, Zeit zeitigt Veränderung. Nachdem ich im kulturwissenschaftlichen Taumel diesen Blog angestellt habe und noch nichts vorzuweisen weiß, was ich hereinsetzen kann, nicht einmal weiß, wieviel ich eigentlich hereinsetzen werde können, habe ich mich entschieden, aus diesem Blog zugleich auch mein Rom-Tagebuch zu machen. Es wird also gewissermaßen ein mise-en-scene meines Geistes und meines Körpers bzw. meiner geistigen Beschaffenheit, seiner Absichten, Urteile und Einstellungen, dem Wandeln, dem diese unterliegen, unter den Eindrücken, aber auch losgelöst davon, meiner körperlichen Präsenz im süßen Süden, der zugleich auch der harte Süden ist, Ort der Formlosigkeit, Unkoordinierbarkeit und Sittenstrenge, süß jedoch in dem Sinne, dass es den Betroffenen, das Objekt der Ungeschlachtheit, chaotischen Liebe, eben versüßt, in dionysischen Schauer versetzt, der, apollinisch zugleich, nicht nur im Erscheinen und rein Äußeren die Haut bronzen brennt, sondern zugleich den Geist, die Seele, veredelt, ohngleichen dabei durch Prägung und Herstellungserosionen an einigen Stellen Ermattung und Abstumpfung einsetzt. Was ich also sagen will: hier wird so manches stehen zu Rom und so manches zu mir und auch einiges zu Literatur und Kultur. Sehnsucht wird darin sein und schwermütiger Neid und ein klein wenig Verachtung und eine ganze keusche Seligkeit.

Björn

Abonnieren
Posts [Atom]