Ideen
Habe den gestrigen Abend mit gewissen Schreiberein verbracht und mir gedacht, vielleicht doch mal eine Kleinigkeit hier hinein zu stellen. Es ist nicht groß und bedarf noch der Überarbeitung, aber mal eben so und als Appetitanreger.
An einem späten Tag im September, als man auf das Genaueste beobachten konnte, wie jäh die Kraft des Sommers erlosch und von herbstlicher Reife abgelöst wurde, als alles zwischen sich stand und auf das Beste zu benennen war und dabei am Wenigsten um sich selber wusste, gegen Mittag, geschah Claudia Maria Schlechterfeld etwas ungeheuer Peinliches. Die ganzen Stunden über war kaum Verkehr gewesen und sie konnte sich selber am geringsten erklären, wie sie plötzlich auf einer Landstraße, bei völliger Regungslosigkeit des Himmels und gelinden Witterungsbedingungen, abkam, die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor und frontal in einen Baum raste, es war eine Linde. Schreckliche Scham befiel sie, als sie gewahr wurde, einen Unfall gebaut zu haben, verdiente sie ihr Geld doch damit, Dinge herumzufahren, war geübt im meistern schwieriger Wege und nun sollte ihr eine gerade Straße, eine der einfachsten, die sie kannte, zum Verhängnis werden. Sie versuchte sich des Moments des Ausscherens zu vergegenwärtigen, erinnerte sich ihrer Ansicht, dort sei eine Kurve, doch da war keine. Sie blickte aus dem Fenster, sah nach rechts in ein Feld, dort blühte der Mohn, zur Linken standen Wegwarten, die gerade ihre Kelche geöffnet hatten. Die Linde war angeknickt, die Kühlerhaube zerstoben und bis an die Frontscheibe, oder das, was von ihr übrig war, eingedrückt. Am merkwürdigsten war jedoch, dass sie sich selber anscheinend nicht verletzt hatte, kein Splitter steckte in ihrer Haut, sie hatte keine Kopfschmerzen, ihre Pupillen, die sie im Rückspiegel betrachtete, wirkten kugelrund und voll wie stets, kein Glied ihres Körpers fühlte sich anders an als vor dem Aufprall, abgesehen von der Hundselendigkeit, die sie aufgrund ihrer peinlichen Tat empfand und die sich eben noch dadurch verstärkte, dass ihr nichts zuleide gekommen war, weil dies sicherlich ganz misstrauisch wirken werde.
Als sie festgepresst in ihren Sitz mit geschlossenen Augen in sich hörte und nach Stellen spürte, die in Mitleidenschaft gezogen waren, bemerkte sie plötzlich eine Schwere zwischen ihren Beinen. Sie dachte zuerst, sie sei durch dieses Ereignis erregt worden, denn das Leben hat oft die merkwürdige Eigenschaft als Reaktion auf das Angesicht des Todes gewaltsam seine Kraft zeigen zu wollen und versuchte, diese Regung ganz von sich abzustreifen, sie schien ihr unangebracht und vergrößerte ihr Unwohlsein nur noch, weil dies doch so überhaupt nicht passe und ihr in diesem Moment die falscheste Sache auf der Welt war. Es verging aber nicht. Mit der Zeit wusste Claudia Maria auch, dass es keine Erregung war, wusste aber auch nicht, was es sein sollte. Womöglich war es die Wunde, die sie bislang nicht gefunden hatte und die, zwar an ungewöhnlicher und schwer erklärbarer Stelle, ihr ein wenig die verlorene Ehre zurückgeben könnte. Sie öffnete ihre Hose und sah Blut. Hastig und übereilt zog sie sich nun die Jeans aus, erkannte eine sonderbare Ausbuchtung, die sie nicht ganz verstand und riss sich dann auch ihren Slip herunter. Was sich dahinter zeigte war – ein Penis! Claudia wollte weinen, das tat sie dann auch.


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