Textkultur

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25.11.05

Die Völker Europas

Der Vorwurf ausladend lang(weilig)er Texte lastet noch schwer auf mir und meint mich zu erdrücken. Andererseits trifft mich auch der Vorwurf gewisser Bilderstürmer sehr, die von mir mehr Text sehen wollen. Das als Vorwort.
Zauberbergstimmung macht sich schon ein wenig breit während dieses Semesters. Man trifft auf die sonderbarsten Gesellen aus aller Herren Länder. Nicht nur auf den allwöchentlich stattfindenden Erasmus-Feiern, die aber bei weitem nicht durch Qualität bestechen (wie meinte doch mein Mitbewohner Giovanni sehr treffend, als ich ihn einmal mitnahm: „Björn, the music is bad, bad, bad. And the drinks are too expensive, but the girls...there are so many beautiful girls, it’s unbelievable!“), kommt man mit so einigen in Kontakt, besonders in den Sprachkursen kann man ländertypisches Verhalten beobachten. Gerade ich, der ich mich zwar nicht abseits, aber alleine in eine Reihe, gesetzt habe, beobachte aufs Genaueste und möchte hier meine Erkenntnisse über die Völker Europas kundtun.
Wie beispielsweise die Spanier studieren wird mir ein Rätsel bleiben. Entweder sie kommen gar nicht oder sie kommen viel zu spät oder sie kommen rechtzeitig, aber gehen früher. Wenn sie dann kommen, beginnen sie, ihr Frühstück im Kurs abzuhalten und sie sprechen Spanisch statt Italienisch, weil sie der Meinung sind, dass die beiden Sprachen dasselbe seien (Ok, sie machen auch nie Fehler in den Kursen, weil die beiden Sprachen sich wirklich ähnlich sind). Aus anderen Kursen wird mir berichtet, dass sie den Kurs zwischenzeitlich verlassen, um etwas wichtigeres zu machen („Ja, Jaime, was ist?“ – „Ich muss mal auf Toilette.“ – „Du bist doch grad erst gekommen, du musst nicht auf Toilette.“ – „Sie haben recht, ich will einen Kaffe trinken gehen.“ Und dann ging er). Außerdem ist ihr Feierverhalten recht exzessiv. Sie feiern immer und überall, ihre gute Laune ist unzerstörbar. Die Feiern hier fangen i.A. ziemlich spät an, man verlässt vor halb 12 frühestens nicht das Haus, was mir sehr entgegen kommt. Allerdings höre ich dann meistens um 5, spätestens um 7, auf. Die Spanier und Portugiesen enden um 10. Sie sind also ein recht fröhliches Völkchen, das zwar immer zu spät kommt und auch ein wenig zu gut gelaunt ist für meine Begriffe, aber sie sind tagsüber immer müde und besitzen ein gewisses Chuzpe, das ich ziemlich mag. Außerdem sind sie sehr hilfsbereit in den Sprachkursen. Hinter mir beispielsweise sitzt diese ein wenig merkwürdig anmutende, aber ungeheuer nette, Spanierin, mit der ich immer zusammen Aufgaben machen muss und wenn ich dann mal wieder einen Fehler mache, weiß sie stets einen neuen Trick, um mir unbemerkt von der Lehrerin die richtige Lösung zu vermitteln. Das ist noch etwas, was mir an den Spaniern aufgefallen ist: sie wissen, wie man pfuscht.
Die Franzosen hingegen reden die ganze Zeit. Die Italiener reden auch viel, aber sie können auch ganz gerne einfach schweigend an einem Tisch sitzen – solange sie das eben nicht alleine tun. Die Franzosen können in Anwesenheit einer anderen Person, besonders eines anderen Franzosen, unmöglich still sein, es geht einfach nicht. Beispielsweise ist da Nadine, eine Französin mit einem ungeheuer süßen Schöfferhöfer-Akzent (ihr wisst schon, „das Bier, das so schön hat geprickelt in mein Bauchnabel.“). Sie redet unentwegt, drei Stunden redet sie einfach, entweder im Kurs oder draußen bei den Rauchern, über alles mögliche, über italienischen Witz (Italiener sind absolut ironielos, eine Tatsache, die mir auch schon bei meinen Mitbewohnern aufgefallen ist), über italienische Verkehrssysteme (für eine dermaßen große Stadt wie Rom ist die Infrastruktur absolut unzureichend) oder, wenn mal jemand danach fragt, auch über randalierende Jugendliche in den Vorstädten. Aber Nadine ist doch auch ein wenig dumm muss ich zugeben, die anderen Franzosen besitzen da schon höhere Abstraktionsgrade, aber sie haben eben nicht diesen Akzent. Die Franzosen kommen mit den deutschen, trotz „deutsch-französischer Achse“, allerdings nicht so gut klar, unbewusst gibt es da wohl noch immer gewisse Ressentiments aufgrund gewisser Züge in Compiegne oder europäischer Regionen wie des Elsasses. Die Spanier und Portugiesen kommen mit den Deutschen gut klar und umgekehrt, die Franzosen werden wärmer mit den Osteuropäern (ob das etwa ein Zeichen ist?).
Die Osteuropäer (und da schließe ich jetzt auch die Nicht-EU-Osteuropäer wie etwa die Rumänen ein) sind eine ganz andere Klasse. Ein wenig spießig und auch naiv, aber ungeheuer qualifiziert. Ich weiß ja nicht, was die sich da für ein Volk herangezogen haben, aber der Leidensdruck scheint bei diesen Menschen einen Lerneifer entwickelt zu haben, der ans Ungeheuerliche grenzt. Jeder Osteuropäer spricht mindestens fünf Fremdsprachen fließend (englisch, russisch, deutsch, französisch, italienisch), die meistens sogar mehr. Ein wenig besorgt sehe ich jedes Mal diese Arbeitsmaschinen, gerade im Vergleich zu den Deutschen. Von wegen das Problem mit den osteuropäischen Einwanderern seien deren geringen Lohnansprüche, das Problem ist, dass diese Leute einfach viel BESSER sind als die Deutschen. Also: warm anziehen, wenn 2011 die Grenzen endgültig fallen und bis dahin entweder 3 andere Sprachen lernen oder in ein anderes Land ziehen.
Zum Beispiel in die Niederlande. Mit deren Menschen bin ich bislang nur wenig in Berührung gekommen. Ein Mädchen war in meinem Kurs, aber sie hat ihn mittlerweile wieder verlassen. Das einzige, was uns verband, war, dass sie auch Alte Geschichte studiert. Sie kam aus Rotterdam und sah auch aus wie eine Holländerin: dunkelrote Haare, ein wenig Sommersprossen und Stiefel (nun gut, Stiefel trägt hier jede Frau), die ihr dieses merkwürdige Rotterdam-Nutten-Asihafte gab. Aber sie war doch ganz hübsch und auch nett. Jedoch kam sie besser aus mit den Finnen.
Andere Skandinavier habe ich hier bislang auch nicht getroffen. Die Finnen sprechen italienisch wie Zahnräder: sehr schleppend und jede Silbe einzeln auswerfend. Das kann auch an ihrer Sprache liegen, denn ein wenig Finnisch habe ich durch ein Tandem hier gelernt (Mina olen Björn) und in dieser Sprache kann die sinnentscheidende Änderung an jeder Stelle im Satz und an fast jeder Stelle im Wort kommen, deshalb wohl diese Achtsamkeit. Ansonsten sind die Finnen blond und kühl – Nordländer eben. Sie sind fleißig, schüchtern und ansonsten eigentlich nur noch...blond. Ja, blond beschriebt sie wohl am besten. Aber nette Leute, ich komme mit der kühlen Art der Nordländer ja irgendwie besser klar.
Kommen wir nun aber zur schlimmsten Gruppe der Ausländer in Italien, den Deutschen! Sie sind alle mehr oder weniger sympathisch, überfleißig (ich beispielsweise versuche jede Nacht ein System der italienischen Sprache aufzustellen und aus Ermangelung einer geeigneten Grammatik eine eigene zu schreiben – allerdings bin ich da auch der einzige) und viel zu pflichtbewusst, so dass sie auch mal gerne Pausen runterhandeln („Facciamo un’interruzione di 10 minuti.“ – “Interruzione?” – “Una pausa.” – “Di 10 minuti?” – “Si.” – “Ma è troppo.” – “Pensi così?” – “Si, 5 minuti sono abbastanza.” – “Allora, facciamo una pausa di 5 minuti.”). Ich habe hier nun schon viele Deutsche aus den verschiedensten Städten kennengelernt, als da wären Heidelberg, Bremen, Berlin, München, Lübeck, Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg, Aachen, Dresden und bestimmt auch noch aus anderen Städte, die ich jetzt vergessen habe (nur leider noch niemanden aus Hamburg). Ich weiß jetzt, dass es auch Mädchen gibt, die einfach mal mit ihrem Auto ohne Wohnung oder Job nach Rom fahren, um hier zu arbeiten (Übersetzerin aus Nürnberg); dass die Lübecker mit Thomas Mann malträtiert werden; was die Berliner mit „Asseln“ meinen (grauenvolle, überalternative Frauen, die von der HU kommen, einen Schal und ein umgekehrtes T-Shirt tragen und sich aus Protest nicht die Achseln rasieren); dass die Düsseldorfer sogar hier in Rom von Leuten, die schon vor langer Zeit Köln verlassen haben, gedisst werden (richtig so!); dass man von Aachen mit dem Zug 1,5 Stunden nach Paris braucht; dass die Münchner 200 € (!!!) im Monat von ERASMUS bekommen; dass Stuttgart schön aber langweilig, Dresden hingegen langweilig, aber schön ist und dass Bremer, wenn sie in Köln sind und sich über den Zug beschweren, keinen leichten Stand haben (bei Besichtigung der Tribünen sonntags vor Rosenmontag sagte er: „Und hier sitzen also morgen die Spongos?“ Antwort: „Wie Spongos? DAT SIND JECKEN, DU ASI!“). Ein wenig verlässt die Deutschen hier die Sprachbefähigung (Beispielsweise „Three kings from the morning land“ oder beim Versuch, darzulegen, dass man stets Rabatte bzw. Ermäßigungen bekommt: „Erniedrigung gibt es immer.“), aber sie halten hier zusammen – oder auch nicht. Viele Deutsche versuchen sich absichtlich von den übrigen abzugrenzen, weil „es ja so wichtig ist, hier mit den Leuten in Kontakt zu kommen und ansonsten lernt man ja auch kein Italienisch, also wirklich“. Dazu möchte ich nur eine Vokabel anbringen, die ich hier gelernt habe und die durchaus wichtig zu nennen ist: VAFFANCULO!
Was das bedeutet, gibt’s dann vielleicht beim nächsten Mal. Ebenso wie immer wieder eingestreute Zusätze zu den Völkern Europas und ein längerer Aufsatz über die Italiener.

PS
Weil ich sie im Text nicht anbringen konnte, aber gerne noch schreiben würde, hier zwei Sätze, die ich in deutschen Zeitungen las. Der eine ist eine fast schon genial zu nennende Paradoxie, gerichtet an den Herrn Sonneborn, Chef der Titanic, der zweite einer Talkshow entnommen: „In einem Rechtsstaat käme jemand wie sie ins KZ.“ Und .„Ich schmeiß dich hintern Zug.“

Dinge

Ein Screenshot, der die Demuetigung eines Sizilianers durch einen Deutschen bezeugt, etwas Zwielichtiges...
...und ein rotes Haus, von dessen Bedeutung niemand eine Ahnung hat.

Die Wohnung

Bilder von meinem Zimmer, Alessandro, meinem Mitbewohner...

und von mir.

21.11.05

Gegen die Windmuehlen...

Das Gefuehl, noch irgendetwas schreiben zu muessen, bevor es die neue Kanzlerin gibt, treibt mich zu diesem Beitrag. Allerdings habe ich um Grunde nichts zu berichten, nur dass die Zeitungen angefangen haben, Angela zu lieben und die Italiener sie ueberhauot nicht moegen, weil sie entweder konservativ ist, was die Frauen hier stoert oder weil sie eine Frau ist, was die Maenner hier als Unding empfinden.
Ich kann mir jedenfalls unter der neuen Regierung noch nichts vorstellen, irgendwie scheint es ja eine CDU-gefuehrte SPD-Regierung zu sein. Aber ich habe mal Hoffnung in die Angela, dass sie nicht nur den angeblichen Nonkonformismus bei politischen Entscheidungen beibehaelt, sondern auch die SPD mit der Zeit davon ueberzeuht, dass eine "Reichensteuer" wirklich laecherlich ist. Mal sehen, ob der Matthias Platzeck da auch was machen kann, auf den habe ich ja seit Jahren geschielt und jetzt ist er endlich da. Seine Antrittsrede war ja jetzt kein Bringer, aber auch nicht so schlecht wie erwartet. Er hat die merkwuerdige Eigenschaft, sowohl dem rechten als auch dem linken Fluegel der Partei das Gefuehl zu geben, "zuhause" zu sein. Dem Franz weine ich keine Traene nach...aber um den Gerd find ich es schon was traurig.

17.11.05

11, 12, 13, 14, 15





6, 7, 8, 9, 10





1, 2, 3, 4, 5





Bilder, Bilder, Bilder!

Kommt zusammen, stroemt alle hierhin, neue Bilder gibt es, Schnappschuesse zu Hauf, die zeigen, was ich alles TOLLES gesehen habe.
In loser Reihenfolge zaehle ich sie hier auf, weil ich nicht sicher sein kann, in welcher Reihenfolge sie hier veroeffentlicht werden und wieviele Nachrichten es brauchen wird:

1. Der Vittorio von der Seite in gleißendem Sonnenlicht.
2. Der herrliche Himmel vom Kapitol aus.
3. Der grandiose Himmel ueber dem Kolosseum (der Himmel hier ist wirklich das Beste).
4. Ein Blick aus dem umlaubten Gartenhuegel meiner Villa-Fakultaet auf eben diese.
5. Ich vor dem Petersdom, waehrend sie diesen abbauen. (Ich wuenschte mir, jemand wuerde eine kritische Bilduntersuchung an diesem Foto vornehmen, vor allem meine Haltung mitsamt der Haende scheint mit deutenswert)
6. Eine altroemische Wahrsagerin/Priesterin/Prostituierte.
7. Angsteinfloeßende Kinder einer unheimlichen Sippschaft (da gab es doch diesen Film).
8. Blick aus meinem Fenster zum Hof.
9. Statuengruppe, wichtige Menschen darstellend, in goldbrauner Beleuchtung.
10. RATZEJUPP!!!
11. Schoene Paulskirche.
12. Perseus toetet Medusa und zeigt den Touristen, was hoffentlich bald jemand mit ihnen machen wird.
13. Neptun schaut laessig zur Seite (coole Sau!).
14. Der getreue Martin vor dem Goldportal (ich habe alle Bilder richtig erraten).
15. Da hinten ist der Ausgang?

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