Die Völker Europas
Der Vorwurf ausladend lang(weilig)er Texte lastet noch schwer auf mir und meint mich zu erdrücken. Andererseits trifft mich auch der Vorwurf gewisser Bilderstürmer sehr, die von mir mehr Text sehen wollen. Das als Vorwort.
Zauberbergstimmung macht sich schon ein wenig breit während dieses Semesters. Man trifft auf die sonderbarsten Gesellen aus aller Herren Länder. Nicht nur auf den allwöchentlich stattfindenden Erasmus-Feiern, die aber bei weitem nicht durch Qualität bestechen (wie meinte doch mein Mitbewohner Giovanni sehr treffend, als ich ihn einmal mitnahm: „Björn, the music is bad, bad, bad. And the drinks are too expensive, but the girls...there are so many beautiful girls, it’s unbelievable!“), kommt man mit so einigen in Kontakt, besonders in den Sprachkursen kann man ländertypisches Verhalten beobachten. Gerade ich, der ich mich zwar nicht abseits, aber alleine in eine Reihe, gesetzt habe, beobachte aufs Genaueste und möchte hier meine Erkenntnisse über die Völker Europas kundtun.
Wie beispielsweise die Spanier studieren wird mir ein Rätsel bleiben. Entweder sie kommen gar nicht oder sie kommen viel zu spät oder sie kommen rechtzeitig, aber gehen früher. Wenn sie dann kommen, beginnen sie, ihr Frühstück im Kurs abzuhalten und sie sprechen Spanisch statt Italienisch, weil sie der Meinung sind, dass die beiden Sprachen dasselbe seien (Ok, sie machen auch nie Fehler in den Kursen, weil die beiden Sprachen sich wirklich ähnlich sind). Aus anderen Kursen wird mir berichtet, dass sie den Kurs zwischenzeitlich verlassen, um etwas wichtigeres zu machen („Ja, Jaime, was ist?“ – „Ich muss mal auf Toilette.“ – „Du bist doch grad erst gekommen, du musst nicht auf Toilette.“ – „Sie haben recht, ich will einen Kaffe trinken gehen.“ Und dann ging er). Außerdem ist ihr Feierverhalten recht exzessiv. Sie feiern immer und überall, ihre gute Laune ist unzerstörbar. Die Feiern hier fangen i.A. ziemlich spät an, man verlässt vor halb 12 frühestens nicht das Haus, was mir sehr entgegen kommt. Allerdings höre ich dann meistens um 5, spätestens um 7, auf. Die Spanier und Portugiesen enden um 10. Sie sind also ein recht fröhliches Völkchen, das zwar immer zu spät kommt und auch ein wenig zu gut gelaunt ist für meine Begriffe, aber sie sind tagsüber immer müde und besitzen ein gewisses Chuzpe, das ich ziemlich mag. Außerdem sind sie sehr hilfsbereit in den Sprachkursen. Hinter mir beispielsweise sitzt diese ein wenig merkwürdig anmutende, aber ungeheuer nette, Spanierin, mit der ich immer zusammen Aufgaben machen muss und wenn ich dann mal wieder einen Fehler mache, weiß sie stets einen neuen Trick, um mir unbemerkt von der Lehrerin die richtige Lösung zu vermitteln. Das ist noch etwas, was mir an den Spaniern aufgefallen ist: sie wissen, wie man pfuscht.
Die Franzosen hingegen reden die ganze Zeit. Die Italiener reden auch viel, aber sie können auch ganz gerne einfach schweigend an einem Tisch sitzen – solange sie das eben nicht alleine tun. Die Franzosen können in Anwesenheit einer anderen Person, besonders eines anderen Franzosen, unmöglich still sein, es geht einfach nicht. Beispielsweise ist da Nadine, eine Französin mit einem ungeheuer süßen Schöfferhöfer-Akzent (ihr wisst schon, „das Bier, das so schön hat geprickelt in mein Bauchnabel.“). Sie redet unentwegt, drei Stunden redet sie einfach, entweder im Kurs oder draußen bei den Rauchern, über alles mögliche, über italienischen Witz (Italiener sind absolut ironielos, eine Tatsache, die mir auch schon bei meinen Mitbewohnern aufgefallen ist), über italienische Verkehrssysteme (für eine dermaßen große Stadt wie Rom ist die Infrastruktur absolut unzureichend) oder, wenn mal jemand danach fragt, auch über randalierende Jugendliche in den Vorstädten. Aber Nadine ist doch auch ein wenig dumm muss ich zugeben, die anderen Franzosen besitzen da schon höhere Abstraktionsgrade, aber sie haben eben nicht diesen Akzent. Die Franzosen kommen mit den deutschen, trotz „deutsch-französischer Achse“, allerdings nicht so gut klar, unbewusst gibt es da wohl noch immer gewisse Ressentiments aufgrund gewisser Züge in Compiegne oder europäischer Regionen wie des Elsasses. Die Spanier und Portugiesen kommen mit den Deutschen gut klar und umgekehrt, die Franzosen werden wärmer mit den Osteuropäern (ob das etwa ein Zeichen ist?).
Die Osteuropäer (und da schließe ich jetzt auch die Nicht-EU-Osteuropäer wie etwa die Rumänen ein) sind eine ganz andere Klasse. Ein wenig spießig und auch naiv, aber ungeheuer qualifiziert. Ich weiß ja nicht, was die sich da für ein Volk herangezogen haben, aber der Leidensdruck scheint bei diesen Menschen einen Lerneifer entwickelt zu haben, der ans Ungeheuerliche grenzt. Jeder Osteuropäer spricht mindestens fünf Fremdsprachen fließend (englisch, russisch, deutsch, französisch, italienisch), die meistens sogar mehr. Ein wenig besorgt sehe ich jedes Mal diese Arbeitsmaschinen, gerade im Vergleich zu den Deutschen. Von wegen das Problem mit den osteuropäischen Einwanderern seien deren geringen Lohnansprüche, das Problem ist, dass diese Leute einfach viel BESSER sind als die Deutschen. Also: warm anziehen, wenn 2011 die Grenzen endgültig fallen und bis dahin entweder 3 andere Sprachen lernen oder in ein anderes Land ziehen.
Zum Beispiel in die Niederlande. Mit deren Menschen bin ich bislang nur wenig in Berührung gekommen. Ein Mädchen war in meinem Kurs, aber sie hat ihn mittlerweile wieder verlassen. Das einzige, was uns verband, war, dass sie auch Alte Geschichte studiert. Sie kam aus Rotterdam und sah auch aus wie eine Holländerin: dunkelrote Haare, ein wenig Sommersprossen und Stiefel (nun gut, Stiefel trägt hier jede Frau), die ihr dieses merkwürdige Rotterdam-Nutten-Asihafte gab. Aber sie war doch ganz hübsch und auch nett. Jedoch kam sie besser aus mit den Finnen.
Andere Skandinavier habe ich hier bislang auch nicht getroffen. Die Finnen sprechen italienisch wie Zahnräder: sehr schleppend und jede Silbe einzeln auswerfend. Das kann auch an ihrer Sprache liegen, denn ein wenig Finnisch habe ich durch ein Tandem hier gelernt (Mina olen Björn) und in dieser Sprache kann die sinnentscheidende Änderung an jeder Stelle im Satz und an fast jeder Stelle im Wort kommen, deshalb wohl diese Achtsamkeit. Ansonsten sind die Finnen blond und kühl – Nordländer eben. Sie sind fleißig, schüchtern und ansonsten eigentlich nur noch...blond. Ja, blond beschriebt sie wohl am besten. Aber nette Leute, ich komme mit der kühlen Art der Nordländer ja irgendwie besser klar.
Kommen wir nun aber zur schlimmsten Gruppe der Ausländer in Italien, den Deutschen! Sie sind alle mehr oder weniger sympathisch, überfleißig (ich beispielsweise versuche jede Nacht ein System der italienischen Sprache aufzustellen und aus Ermangelung einer geeigneten Grammatik eine eigene zu schreiben – allerdings bin ich da auch der einzige) und viel zu pflichtbewusst, so dass sie auch mal gerne Pausen runterhandeln („Facciamo un’interruzione di 10 minuti.“ – “Interruzione?” – “Una pausa.” – “Di 10 minuti?” – “Si.” – “Ma è troppo.” – “Pensi così?” – “Si, 5 minuti sono abbastanza.” – “Allora, facciamo una pausa di 5 minuti.”). Ich habe hier nun schon viele Deutsche aus den verschiedensten Städten kennengelernt, als da wären Heidelberg, Bremen, Berlin, München, Lübeck, Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg, Aachen, Dresden und bestimmt auch noch aus anderen Städte, die ich jetzt vergessen habe (nur leider noch niemanden aus Hamburg). Ich weiß jetzt, dass es auch Mädchen gibt, die einfach mal mit ihrem Auto ohne Wohnung oder Job nach Rom fahren, um hier zu arbeiten (Übersetzerin aus Nürnberg); dass die Lübecker mit Thomas Mann malträtiert werden; was die Berliner mit „Asseln“ meinen (grauenvolle, überalternative Frauen, die von der HU kommen, einen Schal und ein umgekehrtes T-Shirt tragen und sich aus Protest nicht die Achseln rasieren); dass die Düsseldorfer sogar hier in Rom von Leuten, die schon vor langer Zeit Köln verlassen haben, gedisst werden (richtig so!); dass man von Aachen mit dem Zug 1,5 Stunden nach Paris braucht; dass die Münchner 200 € (!!!) im Monat von ERASMUS bekommen; dass Stuttgart schön aber langweilig, Dresden hingegen langweilig, aber schön ist und dass Bremer, wenn sie in Köln sind und sich über den Zug beschweren, keinen leichten Stand haben (bei Besichtigung der Tribünen sonntags vor Rosenmontag sagte er: „Und hier sitzen also morgen die Spongos?“ Antwort: „Wie Spongos? DAT SIND JECKEN, DU ASI!“). Ein wenig verlässt die Deutschen hier die Sprachbefähigung (Beispielsweise „Three kings from the morning land“ oder beim Versuch, darzulegen, dass man stets Rabatte bzw. Ermäßigungen bekommt: „Erniedrigung gibt es immer.“), aber sie halten hier zusammen – oder auch nicht. Viele Deutsche versuchen sich absichtlich von den übrigen abzugrenzen, weil „es ja so wichtig ist, hier mit den Leuten in Kontakt zu kommen und ansonsten lernt man ja auch kein Italienisch, also wirklich“. Dazu möchte ich nur eine Vokabel anbringen, die ich hier gelernt habe und die durchaus wichtig zu nennen ist: VAFFANCULO!
Was das bedeutet, gibt’s dann vielleicht beim nächsten Mal. Ebenso wie immer wieder eingestreute Zusätze zu den Völkern Europas und ein längerer Aufsatz über die Italiener.
PS
Weil ich sie im Text nicht anbringen konnte, aber gerne noch schreiben würde, hier zwei Sätze, die ich in deutschen Zeitungen las. Der eine ist eine fast schon genial zu nennende Paradoxie, gerichtet an den Herrn Sonneborn, Chef der Titanic, der zweite einer Talkshow entnommen: „In einem Rechtsstaat käme jemand wie sie ins KZ.“ Und .„Ich schmeiß dich hintern Zug.“
Zauberbergstimmung macht sich schon ein wenig breit während dieses Semesters. Man trifft auf die sonderbarsten Gesellen aus aller Herren Länder. Nicht nur auf den allwöchentlich stattfindenden Erasmus-Feiern, die aber bei weitem nicht durch Qualität bestechen (wie meinte doch mein Mitbewohner Giovanni sehr treffend, als ich ihn einmal mitnahm: „Björn, the music is bad, bad, bad. And the drinks are too expensive, but the girls...there are so many beautiful girls, it’s unbelievable!“), kommt man mit so einigen in Kontakt, besonders in den Sprachkursen kann man ländertypisches Verhalten beobachten. Gerade ich, der ich mich zwar nicht abseits, aber alleine in eine Reihe, gesetzt habe, beobachte aufs Genaueste und möchte hier meine Erkenntnisse über die Völker Europas kundtun.
Wie beispielsweise die Spanier studieren wird mir ein Rätsel bleiben. Entweder sie kommen gar nicht oder sie kommen viel zu spät oder sie kommen rechtzeitig, aber gehen früher. Wenn sie dann kommen, beginnen sie, ihr Frühstück im Kurs abzuhalten und sie sprechen Spanisch statt Italienisch, weil sie der Meinung sind, dass die beiden Sprachen dasselbe seien (Ok, sie machen auch nie Fehler in den Kursen, weil die beiden Sprachen sich wirklich ähnlich sind). Aus anderen Kursen wird mir berichtet, dass sie den Kurs zwischenzeitlich verlassen, um etwas wichtigeres zu machen („Ja, Jaime, was ist?“ – „Ich muss mal auf Toilette.“ – „Du bist doch grad erst gekommen, du musst nicht auf Toilette.“ – „Sie haben recht, ich will einen Kaffe trinken gehen.“ Und dann ging er). Außerdem ist ihr Feierverhalten recht exzessiv. Sie feiern immer und überall, ihre gute Laune ist unzerstörbar. Die Feiern hier fangen i.A. ziemlich spät an, man verlässt vor halb 12 frühestens nicht das Haus, was mir sehr entgegen kommt. Allerdings höre ich dann meistens um 5, spätestens um 7, auf. Die Spanier und Portugiesen enden um 10. Sie sind also ein recht fröhliches Völkchen, das zwar immer zu spät kommt und auch ein wenig zu gut gelaunt ist für meine Begriffe, aber sie sind tagsüber immer müde und besitzen ein gewisses Chuzpe, das ich ziemlich mag. Außerdem sind sie sehr hilfsbereit in den Sprachkursen. Hinter mir beispielsweise sitzt diese ein wenig merkwürdig anmutende, aber ungeheuer nette, Spanierin, mit der ich immer zusammen Aufgaben machen muss und wenn ich dann mal wieder einen Fehler mache, weiß sie stets einen neuen Trick, um mir unbemerkt von der Lehrerin die richtige Lösung zu vermitteln. Das ist noch etwas, was mir an den Spaniern aufgefallen ist: sie wissen, wie man pfuscht.
Die Franzosen hingegen reden die ganze Zeit. Die Italiener reden auch viel, aber sie können auch ganz gerne einfach schweigend an einem Tisch sitzen – solange sie das eben nicht alleine tun. Die Franzosen können in Anwesenheit einer anderen Person, besonders eines anderen Franzosen, unmöglich still sein, es geht einfach nicht. Beispielsweise ist da Nadine, eine Französin mit einem ungeheuer süßen Schöfferhöfer-Akzent (ihr wisst schon, „das Bier, das so schön hat geprickelt in mein Bauchnabel.“). Sie redet unentwegt, drei Stunden redet sie einfach, entweder im Kurs oder draußen bei den Rauchern, über alles mögliche, über italienischen Witz (Italiener sind absolut ironielos, eine Tatsache, die mir auch schon bei meinen Mitbewohnern aufgefallen ist), über italienische Verkehrssysteme (für eine dermaßen große Stadt wie Rom ist die Infrastruktur absolut unzureichend) oder, wenn mal jemand danach fragt, auch über randalierende Jugendliche in den Vorstädten. Aber Nadine ist doch auch ein wenig dumm muss ich zugeben, die anderen Franzosen besitzen da schon höhere Abstraktionsgrade, aber sie haben eben nicht diesen Akzent. Die Franzosen kommen mit den deutschen, trotz „deutsch-französischer Achse“, allerdings nicht so gut klar, unbewusst gibt es da wohl noch immer gewisse Ressentiments aufgrund gewisser Züge in Compiegne oder europäischer Regionen wie des Elsasses. Die Spanier und Portugiesen kommen mit den Deutschen gut klar und umgekehrt, die Franzosen werden wärmer mit den Osteuropäern (ob das etwa ein Zeichen ist?).
Die Osteuropäer (und da schließe ich jetzt auch die Nicht-EU-Osteuropäer wie etwa die Rumänen ein) sind eine ganz andere Klasse. Ein wenig spießig und auch naiv, aber ungeheuer qualifiziert. Ich weiß ja nicht, was die sich da für ein Volk herangezogen haben, aber der Leidensdruck scheint bei diesen Menschen einen Lerneifer entwickelt zu haben, der ans Ungeheuerliche grenzt. Jeder Osteuropäer spricht mindestens fünf Fremdsprachen fließend (englisch, russisch, deutsch, französisch, italienisch), die meistens sogar mehr. Ein wenig besorgt sehe ich jedes Mal diese Arbeitsmaschinen, gerade im Vergleich zu den Deutschen. Von wegen das Problem mit den osteuropäischen Einwanderern seien deren geringen Lohnansprüche, das Problem ist, dass diese Leute einfach viel BESSER sind als die Deutschen. Also: warm anziehen, wenn 2011 die Grenzen endgültig fallen und bis dahin entweder 3 andere Sprachen lernen oder in ein anderes Land ziehen.
Zum Beispiel in die Niederlande. Mit deren Menschen bin ich bislang nur wenig in Berührung gekommen. Ein Mädchen war in meinem Kurs, aber sie hat ihn mittlerweile wieder verlassen. Das einzige, was uns verband, war, dass sie auch Alte Geschichte studiert. Sie kam aus Rotterdam und sah auch aus wie eine Holländerin: dunkelrote Haare, ein wenig Sommersprossen und Stiefel (nun gut, Stiefel trägt hier jede Frau), die ihr dieses merkwürdige Rotterdam-Nutten-Asihafte gab. Aber sie war doch ganz hübsch und auch nett. Jedoch kam sie besser aus mit den Finnen.
Andere Skandinavier habe ich hier bislang auch nicht getroffen. Die Finnen sprechen italienisch wie Zahnräder: sehr schleppend und jede Silbe einzeln auswerfend. Das kann auch an ihrer Sprache liegen, denn ein wenig Finnisch habe ich durch ein Tandem hier gelernt (Mina olen Björn) und in dieser Sprache kann die sinnentscheidende Änderung an jeder Stelle im Satz und an fast jeder Stelle im Wort kommen, deshalb wohl diese Achtsamkeit. Ansonsten sind die Finnen blond und kühl – Nordländer eben. Sie sind fleißig, schüchtern und ansonsten eigentlich nur noch...blond. Ja, blond beschriebt sie wohl am besten. Aber nette Leute, ich komme mit der kühlen Art der Nordländer ja irgendwie besser klar.
Kommen wir nun aber zur schlimmsten Gruppe der Ausländer in Italien, den Deutschen! Sie sind alle mehr oder weniger sympathisch, überfleißig (ich beispielsweise versuche jede Nacht ein System der italienischen Sprache aufzustellen und aus Ermangelung einer geeigneten Grammatik eine eigene zu schreiben – allerdings bin ich da auch der einzige) und viel zu pflichtbewusst, so dass sie auch mal gerne Pausen runterhandeln („Facciamo un’interruzione di 10 minuti.“ – “Interruzione?” – “Una pausa.” – “Di 10 minuti?” – “Si.” – “Ma è troppo.” – “Pensi così?” – “Si, 5 minuti sono abbastanza.” – “Allora, facciamo una pausa di 5 minuti.”). Ich habe hier nun schon viele Deutsche aus den verschiedensten Städten kennengelernt, als da wären Heidelberg, Bremen, Berlin, München, Lübeck, Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg, Aachen, Dresden und bestimmt auch noch aus anderen Städte, die ich jetzt vergessen habe (nur leider noch niemanden aus Hamburg). Ich weiß jetzt, dass es auch Mädchen gibt, die einfach mal mit ihrem Auto ohne Wohnung oder Job nach Rom fahren, um hier zu arbeiten (Übersetzerin aus Nürnberg); dass die Lübecker mit Thomas Mann malträtiert werden; was die Berliner mit „Asseln“ meinen (grauenvolle, überalternative Frauen, die von der HU kommen, einen Schal und ein umgekehrtes T-Shirt tragen und sich aus Protest nicht die Achseln rasieren); dass die Düsseldorfer sogar hier in Rom von Leuten, die schon vor langer Zeit Köln verlassen haben, gedisst werden (richtig so!); dass man von Aachen mit dem Zug 1,5 Stunden nach Paris braucht; dass die Münchner 200 € (!!!) im Monat von ERASMUS bekommen; dass Stuttgart schön aber langweilig, Dresden hingegen langweilig, aber schön ist und dass Bremer, wenn sie in Köln sind und sich über den Zug beschweren, keinen leichten Stand haben (bei Besichtigung der Tribünen sonntags vor Rosenmontag sagte er: „Und hier sitzen also morgen die Spongos?“ Antwort: „Wie Spongos? DAT SIND JECKEN, DU ASI!“). Ein wenig verlässt die Deutschen hier die Sprachbefähigung (Beispielsweise „Three kings from the morning land“ oder beim Versuch, darzulegen, dass man stets Rabatte bzw. Ermäßigungen bekommt: „Erniedrigung gibt es immer.“), aber sie halten hier zusammen – oder auch nicht. Viele Deutsche versuchen sich absichtlich von den übrigen abzugrenzen, weil „es ja so wichtig ist, hier mit den Leuten in Kontakt zu kommen und ansonsten lernt man ja auch kein Italienisch, also wirklich“. Dazu möchte ich nur eine Vokabel anbringen, die ich hier gelernt habe und die durchaus wichtig zu nennen ist: VAFFANCULO!
Was das bedeutet, gibt’s dann vielleicht beim nächsten Mal. Ebenso wie immer wieder eingestreute Zusätze zu den Völkern Europas und ein längerer Aufsatz über die Italiener.
PS
Weil ich sie im Text nicht anbringen konnte, aber gerne noch schreiben würde, hier zwei Sätze, die ich in deutschen Zeitungen las. Der eine ist eine fast schon genial zu nennende Paradoxie, gerichtet an den Herrn Sonneborn, Chef der Titanic, der zweite einer Talkshow entnommen: „In einem Rechtsstaat käme jemand wie sie ins KZ.“ Und .„Ich schmeiß dich hintern Zug.“


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