Textkultur

Text + Kultur, Textkultur, Literatur und Kulturwissenschaftliches, Literaturtheoretisches, Literarisches, Kulturelles, Aktuelles

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28.8.07

She says brief things, her love's a pony, my love's subliminal

Man mag zwar denken, ich habe habe Besseres zu tun, als andauernd Interpol-Videos zu posten, vor allem, da ich erst kürzlich schrieb, verstärkt Klassik zu hören, doch ich habe eine alte Liebe neu entdeckt. Es ist "Leif Erikson", das wohl unverständlichste aller Interpol-Lieder. Und als ich es neulich wieder hörte, merkte ich, dass es gar kein langsames Liebeslied ist (wofür ich es immer hielt und auch bewunderte), sondern dass es eher ein Tanz- und Rock-Lied ist. Dann fand ich dieses Video und wurde in meiner Meinung nur noch bestärkt.

27.8.07

(Des)Orientierung

Erschöpfung macht sich breit in St. Louis. Oder vielmehr nur in den Häusern Moll, Englund, Schläfer und Kromer. Wie alte Adelsgeschlechter wurden wir in dieser Orientierungswoche von Veranstaltung zu Veranstaltung gejagt und mussten repräsentieren und präsentieren.
Zunächst gab es den Empfang der Graduate Students, bei dem uns nur Informationen präsentiert wurden so wie auch bei der Einführung der Internationalen Studenten. Mittwochs waren wir dann in unserer Rolle als Teaching Assistants gefragt und wurden über Diskriminierungs- und Belästigungspraktiken aufgeklärt und wie man diese vermeidet.
Dann begann der Pädagogik-Kurs. Dort lernten wir, wie man es schafft, eine Klasse eine Stunde lang permanent zu belustigen (mit Spielen und Quizzes und Umfragen etc.). Dies gipfelte in kurzen "Micro-Teaching"-Präsentationen, die wir Freitagmorgen halten mussten. Ich hielt eine PP-Präsentation über amerikanische und deutsche Stadtflaggen und wurde dafür mit dem Konversationskurs belohnt, den ich auch haben wollte.
Das Mehr an Freiheit bezahle ich nun aber mit einem Mehr an Arbeit, denn meine erste Sitzung findet am Donnerstag statt und bis dahin muss ich alles vorbereitet haben.
Zudem steht das Lesen für die Kurse an und das Weggehen. Allerorten muss man sich also zeigen und durchhalten. Das führt zu starkem Schlafverlangen, was nur selten vollends befriedigt wird.
Ich entdeckte aufs Neue die heilsame Wirkung klassischer Musik als Sedativ und höre seit langem wieder viel und intensiv. Die Musik muss aber auch als Antreiber wirken, denn diese Woche steht der erste Kurs an (The Prosthetic Eye) und ich muss mich um die Betreuung meiner Master's Thesis kümmern.

Das ist der Stand der Dinge, kaum literarisch gewitzt aufgeladen. Qualitatives dann erneut zu anderer Zeit.

22.8.07

Ranking

Heute kam das neue Uni-Ranking der USA raus: WashU ist auf Platz 12! Das ist wirklich gut, wenn man sich mal die anderen Unis alle anschaut.

Übrigens habe ich heute auch erfahren, dass normale Studenten hier $46.000 im Jahr zahlen und die Uni über ein Kapital von $4,7 Milliarden verfügt - sie wird alleine von den Zinsen betrieben!

Filme in WashU



Wenn man genau hinschaut, findet man einige Filme der letzten Jahre an der Washington University. Hier die ersten beiden:

DER HERR DER RINGE
(Schlacht von Helms Klamm)

DONNIE DARKO

Verwandlungen

Als Björn Moll eines morgens in St. Louis erwachte, fand er sich in BJOERN Moll verwandelt. Und nicht nur das, irgendjemanden musste ihn verleumdet haben, denn statt 186 cm war er nun nur noch 6,01 Fuß groß und wog 160 Pfund – Letzteres schmeichelte ihm zugegebenermaßen ein wenig.
So ist es, neben dem unvermeidlichen Namenswechsel aufgrund fehlender Umlaute in diesem Land, wurde ich heute zumindest bevölkerungsstatistisch des metrischen Systems beraubt. Es ist schon fast ironisch: Ich komme mit sämtlichen Unterlagen in das für Identifikationsdokumente zuständige Büro, fühle mich perfekt vorbereitet, schmeiße in einer schon fast überlegenen Geste alle Papiere auf den Tisch, um damit auszudrücken: „Hah, noch einmal schickst du mich nicht weg.“ – und dann, als ich gefragt wurde, wie groß und schwer ich sei, verfalle ich in eine kurze Schreckstarre: „Oh mein Gott, die zählen hier ja anders.“ Stammelnd antwortete ich meine Maße im europäischen Standard, doch sie rollte nur die Augen, ließ mich stramm stehen, musterte mich und tippte dann etwas in ihren Computer ein. Die Größe hat sie sehr genau erraten, beim Gewicht jedoch ließ sie sich anscheinend von einem etwas weiten Hemd verführen und machte mich mal eben 15 Kilogramm leichter.
Damit habe ich aber auch einen internen Wettkampf gewonnen: Thomas Wortmann berichtete mir, er habe in den 10 Monaten St. Louis 15 Kilogramm abgenommen, ich habe das bereits nach 15 Tagen geschafft – Eat this!
Wo ich gerade beim Essen bin: Eine seltsame Verwandlung europäischer Küche in amerikanische Delikatessen erlebte ich gestern: Die örtliche Spezialität dieser Stadt sind frittierte Ravioli! Sie schmecken eigentlich ganz ordentlich und man kann sie gut als Beilage zu einem Bier kosten, denn sie werden mit einem Tomatendip serviert. Die Vorstellung jedoch an die Art und Weise der Zubereitung dieses Lebensmittels erzeugt in mir nur Grausen. Man kann es auch anders ausdrücken: Ich habe den Eindruck, als ob der Teil, den ich aus Italien mitgenommen habe, in diesem Gericht sinnbildlich entwürdigt wird.
Und dabei habe ich doch das schwere Erbe des vorbildlichen Europäers zu tragen. Zur Erläuterung: Hielt ich den Namen Björn bislang immer eher für eine Laune der Natur bzw. meiner Eltern, erfülle ich in den USA damit das Stereotyp des Europäers schlechthin. Denn bei der offiziellen Begrüßung der Graduate Students hatten sich schnell viele internationale Studenten zusammengefunden (aus Deutschland, Schweden, Serbien, Norwegen, Tschechien und der Türkei), doch auch ein Amerikaner war dabei. Er hatte mit sämtlichen Namen Probleme und als ich mich als Letzter vorstellte, dachte ich schon: „Jetzt kommt’s wieder: Den Namen buchstabieren und erklären, was es damit auf sich hat.“ – aber nein! Er antwortete einfach: „Ach, Bjoern. Ja, den Namen kenn ich. Das ist der typische europäische Name bei uns. Wenn wir wissen, dass jemand aus Europa kommt, aber nicht seinen Namen kennen, sagen wir einfach: Der heißt bestimmt Bjoern oder so.“
Auch wenn charmante Abfälligkeit in dieser Bemerkung steckte, denn anscheinend scheint der Name Björn eben so merkwürdig zu sein, dass er für Amerikaner am besten Europa repräsentiert, erhielt mein verwegenes Sendungsbewusstsein neuen Auftrieb – Ich bin also Europa!
[Notabene: Wo ich gerade diesen Satz benutze und damit leicht an Thomas Mann anspiele, fällt mir ein, dass die Buddenbrooks ja jetzt verfilmt werden. Heinrich Breloer und Armin Mueller-Stahl, die beide darum wetteifern, wer die Thomas-Mann-Imitatio besser betreibt, sind wieder mit von der Partie. Aber viel wichtiger finde ich dies: Jessica Schwarz spielt Toni Buddenbrook! Das ist großartig und ein Skandal zugleich! Ich finde die Besetzung wirklich gut und kreativ, andererseits habe ich mir Toni nie so hübsch vorgestellt. Ich bin da wohl zu sexistisch, aber ich dachte immer, dass eine von rauem Nordwind verwitterte, bourgeoise und ungemein naive Frau nicht so erotisch aussieht. Also das ist das Problem: Jessica Schwarz hat ja einfach ein sehr sinnliches Äußeres und Toni sitzt nur auf Steinen und drückt ihr Kinn in die Brust, aber ihre Figur ist ja in keinster Weise durch den Roman erotisch aufgeladen, sie wird vielmehr sogar von anderen Figuren dadurch abgehoben, dass diese attraktiver sind. Auf der anderen Seite finde ich das aber auch wieder gut, denn so wird mit dem klassischen Bildrepertoire des Romans gebrochen und das Sehen umgeschult.]
So wie Toni Buddenbrook sich in Jessica Schwarz verwandelt und Pasta in Frittiertes und ich durch den Verlust meines Umlauts in einen parademäßigen Europäer, sollten noch weitere Transformationen anstehen. Es ist allerdings ein befremdliches Gefühl, wenn sie nicht eintreten. Eben dieses Befremden spürte ich heute, als ich folgende Stelle aus einem bekannten Roman las (was damit auch die Blog-Lesefrucht der jetzigen Woche darstellt):

Ich habe heute einen Brief geschrieben, dabei ist es mir aufgefallen, dass ich erst drei Wochen hier bin. Drei Wochen anderswo, auf dem Lande zum Beispiel, das konnte sein wie ein Tag, hier sind es Jahre. Ich will auch keinen Brief mehr schreiben. Wozu soll ich sagen, dass ich mich verändere? Wenn ich mich verändere, bleibe ich ja doch nicht der, der ich war, und bin ich etwas anderes als bisher, so ist klar, dass ich keine Bekannten habe. Und an fremde Leute, an Leute, die mich nicht kennen, kann ich unmöglich schreiben.

Jetzt habe ich die ganze Zeit von Verwandlungen geschrieben, will aber in diesem Punkt darauf hinaus, dass ich damit nicht Veränderungen meine. Wenn Malte Laurids Brigge nach drei Wochen Paris sich schon völlig entfremdet hat, müsste ich nach zwei Wochen St. Louis ja ähnlich weit sein, doch ich bin es nicht, überhaupt nicht. Ich erspare mir jetzt spekulative Erklärungen für dieses Phänomen, denn Erklärungen können auch stören. Was mich mehr an dieser Stelle interessierte, war, dass es anscheinend den literarischen Versuch gibt, eine Auslandserfahrung topisch zu besetzen, wozu die schnelle Entfremdung gehört und dass meine Entfremdung darin besteht, dass ich diese klassische Entfremdungserfahrung nicht teile. Und das ist befremdlich!; vielleicht entferne ich mich innerlich von Europa doch mehr als ich zunächst dachte.
Soviel zu den Verwandlungen. Eine Sache noch: Seitdem ich diesen Bericht im Spiegel über ausgefallene Kindernamen gelesen habe, kommt mir der Name Lennox Tattanka-Tattonka nicht mehr aus dem Sinn. Welcher Mensch tut so etwas? Was soll das? Und ist der Name an eine Bestimmung geknüpft? Soll das Kind zu einer Kampfmaschine erzogen werden? Oder zu einem Kampfhund, denn seinen Hund könnte man auch gut so nennen?
Ich werfe schweigend mein Kinn in die Brust und werde meine eleganten 72 Kilo nun ins Bett bewegen.

19.8.07

Hilferufe und andere Gebrechen

Es ist wieder Wochenende und es wieder nicht viel passiert:
Ich bin erkältet. Eigentlich ist es ein Erfolg, dass ich fast zwei Wochen gesund überstand, denn angesichts der Hitze in Kombination mit den Klimaanlagen hatte ich fest mit einer Erkältung gerechnet. Was jetzt der eigentliche Auslöser der Infektion war, kann ich nicht genau sagen. Ich nehme an, dass es im Bus oder im German Department geschehen ist, denn das sind die beiden kältesten Orte der Stadt. Ich frage mich, wer überhaupt auf die Idee kommt, einen Bus oder ein Gebäude bei 40° Außentemperatur auf 20° abzukühlen - das ist einfach nur hirnrissig!
Zum Glück hat Chris einen kleinen Kräutergarten, aus dem ich mir so viele gesunden Teemischungen pflücken kann, wie ich will. Deshalb geht es mir mittlerweile auch wieder etwas besser.
Da fällt mir noch etwas ein zu den Klimaanlagen: Man kann diese auch nicht für einzelne Bereiche abstellen. Also bei uns zum Beispiel kann man nur den oberen oder unteren Teil des Hauses mit der Anlage kontrollieren, aber ich würde liebend gerne mein Zimmer abends vom Netz nehmen, da - egal, wo mein Bett steht - ich permanent einen Durchzug habe; einen Durchzug, obwohl man meine Fenster nicht öffnen kann! Und das alles aufgrund der Luftzirkulation im Zimmer durch die Anlage.
Andererseits: Ohne das Gerät wären wir bei 40° auch ziemlich aufgeschmissen, insofern bin ich schon froh, es zu haben.

Zum deutschen Wochenende: Leute aus Deutschland fragen mich, was ich vom 2. Bundesligaspieltag halte. Ich antworte: Ich bin nicht überrascht. Denn ich habe den besten Spieltagstipp abgeliefert, seitdem ich dieses Spielchen betreibe. Unter anderem habe ich die Schalke-Dortmund-Partie auch richtig vorhergesagt! Das lässt mich die Blamage etwas besser verkraften.

Etwas anderes zum Fußball: HILFE!!!
Ich kann das Deutschland-Spiel nicht gucken! Es ist ein Skandal! Während das Spiel läuft, muss ich Japanisch lernen. Denn meine Pädagogik-Dozentin hier hält es für eine ausgesprochen gute Idee, dass wir uns in einen Kurs reinsetzen, in dem eine Sprache gesprochen wird, die wir nicht verstehen; denn so können wir uns ganz toll in unsere Studenten hineinversetzen! Scheiß Betroffenheits-Pädagogik! Wer versetzt sich in mich und mein Bedürfnis, dieses Spiel sehen zu wollen? Wenn sich jemand bereiterklären würde, es für mich aufzunehmen und mir auf irgendeinem Wege zukommen zu lassen, wäre ich sehr dankbar.
Ich werde auch in der nächsten Woche nicht mehr so regelmäßig zur Verfügung stehen können; die Orientation Week beginnt und ich bin jeden Tag von morgens bis abends zu irgendwelchen Einführungsverantaltungen "eingeladen", denn es ist eine Einladung, die man nicht absagen kann, weil man kommen muss.
Nächste Woche wird dann auch entschieden, welchen Kurs ich unterrichte und ob ich Geld für diesen Monat bekomme, denn die nette Fulbright-Kommission scheint da noch ein Wörtchen mitreden zu müssen.

18.8.07

Der Handy-Marathon

Schon mal zwei Stunden mit einem Kundenservice telefoniert? Nein? Das könnte daran liegen, dass normalerweise nach 30 Minuten eine der beiden Parteien völlig entnervt aufgibt, wenn sich ein Problem nicht lösen lässt. Jedoch nicht C. Raine von AT&T: Ich wollte zwischendurch immer aufgeben, doch sie, obwohl sie mehrmals am Telefon gähnte und es Kommunikationsschwierigkeiten am Telefon hab, blieb zäh, hatte immer neue Vorschläge und Ideen und tat alles dafür, mein Problem zu lösen. Was war mein Problem? Zunächst: Es ist noch nicht gelöst. Was ist es also noch immer? Ich kann keine SMS ins Ausland verschicken. Seltsamerweise kann ich mit meiner amerikanischen SIM-Karte neue Nachrichten empfangen, aber keine senden. Ich war während dieses legendären Telefonats heute mit 4 verschiedenen Abteilungen verbunden (Frau Raine war sozusagen immer mein Backup, wenn eine Abteilung mir nicht weiterhelfen konnte), die Amerikanerin hat mit SonyEricsson telefoniert, hat versucht, eine französische Betriebsanleitung zu übersetzen und ist jeden einzelnen Menü-Unterpunkt meines Handys mit mir durchgegangen, doch leider erfolglos. Jetzt ruft sie mich innerhalb der nächsten Woche zurück, denn die technische Abteilung hat sich dieses Problems angenommen. Zum Ausgleich hat sie mir $5 auf meine Karte überwiesen und hat am Ende sich sogar noch dafür entschuldigt, dass sie mir nicht helfen konnte!
Auch wenn es nervend war, die Betreuung war der Wahnsinn!

17.8.07

PDA

Das wohl beste Interpol-Lied und das einzige mir bekannte Alternative-Lied, das ästhetische Qualität wie ein Stück klassischer Musik erreicht (in den letzten 2 Minuten). Dieses Video ist das erste mir bekannte, bei welchem sowohl Band als auch Zuschauer an den entscheidenden Stellen angemessen ausrasten. Leider ist der Kameramann nicht der Beste seines Fachs.



Speedstacking

Speedstacking, eine sogenannte Sportart, ist momentan ein riesiger Hype hier. Einen kurzen Einblick in diese nicht länger als 5 Sekunden faszinierende Beschäftigung bietet dieses Video:

WebSTAC = uk-online = Irrsinn

Diese Nachricht habe ich gerade von dem Online-Anmeldesystem der Washington University bekommen, WebsSTAC nennt es sich und es steht uk-online in nichts nach:

The order in which students may register is based upon division and level.
You are a level G student in Arts and Sciences - graduate.
You may register for courses from 7:30 am to 9:00 pm Central Time. The current time is 10:21 pm.

Andersherum und richtig herum

Entgegen möglicher Assoziationen des Titels wird hier keine gender-Debatte eröffnet, es sind vielmehr zwei Ereignisse zu vermelden, in deren Verlauf der Titel des Threads klar wird:

1. Heute war ich einkaufen. Oder anders: Ich bin nicht mit dem Ziel, einzukaufen in die Galleria, die große Mall der Stadt, gefahren, aber als ich dort war, habe ich ein Angebot wahrgenommen und zwei paar Schuhe für zusammen 90$ gekauft. Während des Anprobierens fragte mich die Verkäuferin, wo ich herkomme, immerhin habe ich einen Akzent (was sehr charmant von ihr war, denn man hätte auch daran, dass ich die falschen Wörter benutzt habe, erkennen können, dass ich kein Amerikaner bin). Nach meiner Antwort schwärmte sie mir vor, dass sie so gerne nach Europa wolle, vor allem nach Spanien. Sie spare auf einen Trip durch Spanien und wolle alles daran setzen, Madrid und Barcelona zu sehen. Und nun kommts: Sie wolle mal über den Teich, um diese ganz andere Lebensart kennenzulernen, vor allem reize es sie, dass die Europäer alle auf der anderen Straßenseite fahren!
Weil sie so nett war, habe ich mich jeglichen Kommentars enthalten.

2. Ich habe ja ein Konto bei der Bank of America eröffnet. Als ich gestern dort ankam, um Geld einzuzahlen, geriet ich an den Schalter der aus Polen gebürtigen Margareta. Ich trug ein Rom-Shirt und sie fragte mich, woher ich komme. Sie fragte mich auch, ob ich schon ein Willkommenspaket bekommen habe, wie jeder neue Kunde es erhalte. Ich verneinte, denn ich kannte viele neue Kunden und kein einziger hatte dieses Paket erhalten. Sie gab mir das Paket, worin sich zwei Tassen, ein Wäschebeutel und ein T-Shirt befanden. Wir führten unser Gespräch weiter und als sie hörte, dass ich Krakau zumindest aus Geschichten kenne, dass ich aus Köln komme, dass ich mir den Weltjugendtag angeschaut habe, dass ich Katholik sei und für den Papst sympathisiere hat sie zwei zusätzliche Tassen geholt und mir diese gegeben!
Es gibt übrigens Menschen, die mich davon überzeugen wollen, mit ihnen in einen Presbyterianer- oder Methodisten-Gottesdienst zu gehen. Ich befürchte, wenn ich das tue, kommt Margareta zu meinem Haus und nimmt mir die Tassen wieder ab.

16.8.07

Bestiarium

Ein kleiner Einblick in die Tierwelt von St. Louis. Eigentlich müsste man jetzt auch Bilder davon reinstellen, aber die habe ich nicht.

Bislang traf ich auf 6 bemerkenswerte Tierarten:

1. Die Eichhörnchen. Sie sind die Ratten von St. Louis. Sie sind überall, sie laufen auf Elektromasten herum, sie springen in die Mülleimer und aus den Mülleimern heraus. Sie rennen über die Straßen und Wiesen. Wer jetzt meint, das sei niedlich, versteht nicht, welche Ausmaße die Eichhörnchenpopulation hier annimmt. Nun gut, es ist schön, wenn man ab und an mal ein Eichhörnchen in Deutschland sieht, aber eben, weil man sie so selten sieht. Ich verstehe sowieso nicht, weshalb viele Leute der Meinung sind, Eichhörnchen seien niedlich, hängt das mit irgendwelchen Disney-Figuren zusammen?

2. Die Mücken. Ich erspare hier, Bilder meiner Beine zu zeigen, denn die Leute, die sie sahen, hielten die immensen roten Punkte nicht für eine Ansammlung von Mückenstichen, sondern eher für Symptome einer letalen Krankheit. Ich befürchte, es kommt davon, dass man bei dem Wetter naturgemäß schwitzt und ich abends auf der Terrasse sitze und rauche. Jedenfalls habe ich mir angewöhnt, lange Beinkleidung zu tragen, wenn ich nach Einbruch der Dunkelheit nach draußen gehe. Eigentlich überleben diese Tiere solch hohe Temperaturen doch gar nicht, wie kann es also sein, dass sie noch immer hier sind? Im übrigen gab es im zu Illinois gehörigen Teil der Stadt schon zwei Fälle von Infektionen mit West-Nil-Fieber, doch ich denke, dass ich davon verschont bleiben werde.

3. Die Zikaden. Sobald es dämmert hört man sie, die Zikaden. Man kennt dieses Geräusch aus dem Urlaub, doch da ist es gedämpfter, weniger ohrenbetäubend. Es ist ein wenig so, als ob die schrecklich lauten Vögel aus Rom als schrecklich laute Zikaden nach St. Louis zu mir zurückgekommen sind. Diese Zikaden sind aber auch hochinteressante Tiere, denn die amerikanischen Arten paaren sich nur alle 13 oder 17 Jahre. Die Nachkommen leben dann unterirdisch, bis sie nach eben dieser Zeit für drei Wochen an die Oberfläche kommen, um sich zu vermehren. Das Interessanteste daran sind die Zahlen 13 und 17. Es sind beides Primzahlen und somit nur durch 1 und sich selber teilbar. Die natürlichen Feinde der Zikaden leben jedoch zumeist in 2-, 4- oder 6-Jahres-Rhythmen, so dass die Zikaden das Aufeinandertreffen (und damit auch den absehbaren Tod) mit ihren Konkurrenten meiden - das ist genial!
[Wo wir grad bei Rechenkünsten sind: Ein Österreicher hat das rätselhafte spätmittelalterlich Voynich-Manuskript untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass es Nonsens darstelle, da es sich genauer Algorithmen bediene, die sogar zufällige Strukturänderungen einbaue. Natürliche Sprachen nämlich sind nie so mathematisch geplant aufgebaut, da zur Informationsübermittlung andere kommunikative Schwerpunkte gelegt werden. Das Voynich-Manuskript kann also durchaus eine Sprache haben, kann jedoch von seinem Aufbau her keine Informationen übermitteln, und wäre somit letztendlich doch keine Sprache. Ich finde diese Idee faszinierend, bin dennoch der Meinung, dass es nicht hinreichend die Lösung des Problems darstellt, da der Text grundlegend so strukturiert sein kann, dass jeweilige Passagen quer durch das Buch gelesen Sinn ergeben können. Wer das mal nachlesen will, kann es hier tun.]

4. Die Regenwürmer. Es ist mir ein Rätsel, wieso alle paar Meter auf den Straßen ausgetrocknete Regenwürmer liegen. Wann und wieso sind diese Tiere aus der Erde gekommen? Es hat doch gar nicht geregnet. Zudem habe ich auch noch nie gesehen, dass es so heiß war, dass Regenwürmer auf ihrem Weg verbrannt wurden und komplett verdorrten. Jedenfalls gehören die Regenwürmer in dieser Auflistung zu den toten Tieren.

5. Die Kröten. Ich kann nicht sagen, ob es Kröten oder Frösche sind, die sich allabendlich in unserem Garten zuquaken. Doch sie tun es und das ergibt eine gewisse Teichstimmung, eine Moorromantik, die zugleich auch die anderen Moorassoziationen von Tod und Verfaulung hervorruft. Diese Tiere kommen auch nur abends heraus, tagsüber sind sie - ja, wo sind sie? es gibt keinen Teich und auch kein größeres stehendes Gewässer hier, das ihnen Heimat bieten könnte. Ich habe aber gerade gelesen, dass Kröten eh dämmerungsaktiv sind und terrestrisch leben, somit hat sich meine Frage erledigt.

6. Das Opossum. Ich habe nur eines kurz an einem Abend gesehen. Ich kann also nicht viel über dieses Tier berichten außer der Tatsache, dass es das erste Mal war, dass ich eines sah und sonst so viel davon gehört hatte. Opossums sind auch gattungsspezifisch Ratten, womit hier ein gewisser Rahmen zu den als Ratten fungierenden Erdhörnchen geschlossen werden kann. Denn hier endet das Bestiarium auch.

Hot Hot Heat


Temperatur heute Nachmittag um 17:30 Uhr.

15.8.07

Sätze des Wochenendes

Wie bereits erwähnt habe ich dieses Wochenende viel TV geschaut, hier - in klassischer Letterman-Manier - die drei besten Sätze (in deutscher Übersetzung):

3. Ice-T ist so alt, das erste, was er sich von dem Geld für seinen Plattenvertrag kaufte, war die Freiheit.

2. Jeder fragt sich, ob Kim Jong-Il Nuklearbomben hat; bin ich eigentlich der Einzige, der sich fragt, ob er eine Zwillingsschwester hat, die genauso aussieht wie er, denn vom Aussehen ist er genau mein Typ?

1. Flavor Flav hat 7 Kinder von 14 Frauen und er hofft, noch 3 mehr zu bekommen. Er hat zwei Enkel und diese haben wieder 4 Kinder und diese wiederum haben 2 Enkel: Flavor Flav ist für mehr obdachlose schwarze Kinder verantwortlich als Hurricane Katrina!

14.8.07

Reaktivierung

Nach langer Zeit erfolgt hiermit die Reaktivierung des Blogs.

Ich denke, ich werde versuchen, so etwas wie einen Zauberspruch zu benutzen, um damit durch die Worte die Wiederaufnahme darzustellen und zugleich zu beginnen. Ich nehme ein zufälliges Zitat aktueller Lektüre:

Denn ich träume oft von ihr (ich träume nur von ihr), doch niemals ist sie es ganz und gar: im Traum hat sie zuweilen etwas leicht Taktloses, Übertriebenes: zum Beispiel ist sie zum Scherzen aufgelegt oder ungeniert - was sie niemals war; oder aber ich weiß, daß sie es ist, doch ich sehe ihre Züge nicht [...]: ich träume von ihr, ich träume sie nicht.

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