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Standort: Köln, NRW, Germany

16.8.07

Bestiarium

Ein kleiner Einblick in die Tierwelt von St. Louis. Eigentlich müsste man jetzt auch Bilder davon reinstellen, aber die habe ich nicht.

Bislang traf ich auf 6 bemerkenswerte Tierarten:

1. Die Eichhörnchen. Sie sind die Ratten von St. Louis. Sie sind überall, sie laufen auf Elektromasten herum, sie springen in die Mülleimer und aus den Mülleimern heraus. Sie rennen über die Straßen und Wiesen. Wer jetzt meint, das sei niedlich, versteht nicht, welche Ausmaße die Eichhörnchenpopulation hier annimmt. Nun gut, es ist schön, wenn man ab und an mal ein Eichhörnchen in Deutschland sieht, aber eben, weil man sie so selten sieht. Ich verstehe sowieso nicht, weshalb viele Leute der Meinung sind, Eichhörnchen seien niedlich, hängt das mit irgendwelchen Disney-Figuren zusammen?

2. Die Mücken. Ich erspare hier, Bilder meiner Beine zu zeigen, denn die Leute, die sie sahen, hielten die immensen roten Punkte nicht für eine Ansammlung von Mückenstichen, sondern eher für Symptome einer letalen Krankheit. Ich befürchte, es kommt davon, dass man bei dem Wetter naturgemäß schwitzt und ich abends auf der Terrasse sitze und rauche. Jedenfalls habe ich mir angewöhnt, lange Beinkleidung zu tragen, wenn ich nach Einbruch der Dunkelheit nach draußen gehe. Eigentlich überleben diese Tiere solch hohe Temperaturen doch gar nicht, wie kann es also sein, dass sie noch immer hier sind? Im übrigen gab es im zu Illinois gehörigen Teil der Stadt schon zwei Fälle von Infektionen mit West-Nil-Fieber, doch ich denke, dass ich davon verschont bleiben werde.

3. Die Zikaden. Sobald es dämmert hört man sie, die Zikaden. Man kennt dieses Geräusch aus dem Urlaub, doch da ist es gedämpfter, weniger ohrenbetäubend. Es ist ein wenig so, als ob die schrecklich lauten Vögel aus Rom als schrecklich laute Zikaden nach St. Louis zu mir zurückgekommen sind. Diese Zikaden sind aber auch hochinteressante Tiere, denn die amerikanischen Arten paaren sich nur alle 13 oder 17 Jahre. Die Nachkommen leben dann unterirdisch, bis sie nach eben dieser Zeit für drei Wochen an die Oberfläche kommen, um sich zu vermehren. Das Interessanteste daran sind die Zahlen 13 und 17. Es sind beides Primzahlen und somit nur durch 1 und sich selber teilbar. Die natürlichen Feinde der Zikaden leben jedoch zumeist in 2-, 4- oder 6-Jahres-Rhythmen, so dass die Zikaden das Aufeinandertreffen (und damit auch den absehbaren Tod) mit ihren Konkurrenten meiden - das ist genial!
[Wo wir grad bei Rechenkünsten sind: Ein Österreicher hat das rätselhafte spätmittelalterlich Voynich-Manuskript untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass es Nonsens darstelle, da es sich genauer Algorithmen bediene, die sogar zufällige Strukturänderungen einbaue. Natürliche Sprachen nämlich sind nie so mathematisch geplant aufgebaut, da zur Informationsübermittlung andere kommunikative Schwerpunkte gelegt werden. Das Voynich-Manuskript kann also durchaus eine Sprache haben, kann jedoch von seinem Aufbau her keine Informationen übermitteln, und wäre somit letztendlich doch keine Sprache. Ich finde diese Idee faszinierend, bin dennoch der Meinung, dass es nicht hinreichend die Lösung des Problems darstellt, da der Text grundlegend so strukturiert sein kann, dass jeweilige Passagen quer durch das Buch gelesen Sinn ergeben können. Wer das mal nachlesen will, kann es hier tun.]

4. Die Regenwürmer. Es ist mir ein Rätsel, wieso alle paar Meter auf den Straßen ausgetrocknete Regenwürmer liegen. Wann und wieso sind diese Tiere aus der Erde gekommen? Es hat doch gar nicht geregnet. Zudem habe ich auch noch nie gesehen, dass es so heiß war, dass Regenwürmer auf ihrem Weg verbrannt wurden und komplett verdorrten. Jedenfalls gehören die Regenwürmer in dieser Auflistung zu den toten Tieren.

5. Die Kröten. Ich kann nicht sagen, ob es Kröten oder Frösche sind, die sich allabendlich in unserem Garten zuquaken. Doch sie tun es und das ergibt eine gewisse Teichstimmung, eine Moorromantik, die zugleich auch die anderen Moorassoziationen von Tod und Verfaulung hervorruft. Diese Tiere kommen auch nur abends heraus, tagsüber sind sie - ja, wo sind sie? es gibt keinen Teich und auch kein größeres stehendes Gewässer hier, das ihnen Heimat bieten könnte. Ich habe aber gerade gelesen, dass Kröten eh dämmerungsaktiv sind und terrestrisch leben, somit hat sich meine Frage erledigt.

6. Das Opossum. Ich habe nur eines kurz an einem Abend gesehen. Ich kann also nicht viel über dieses Tier berichten außer der Tatsache, dass es das erste Mal war, dass ich eines sah und sonst so viel davon gehört hatte. Opossums sind auch gattungsspezifisch Ratten, womit hier ein gewisser Rahmen zu den als Ratten fungierenden Erdhörnchen geschlossen werden kann. Denn hier endet das Bestiarium auch.

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