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Name: Bob M
Standort: Köln, NRW, Germany

14.12.07

Die Wölfe (Rom) und Füchse (Chicago)

Wie jeder merkt, finde ich Reisebeschreibungen recht fad. Ich bin auch kein sonderlich einfallsreicher Schreiber, so dass ich die Gattung sicher nicht zu neuen Höhen führen kann. Genau genommen ist mein Schreiben vor allem prätentiös, um alles, was ich nicht erklären kann, nicht durchdenken will oder für mich als durchdacht behaupten möchte, hinter wohlklingenden Worten zu verstecken. Das Tagebuchgenre reizt mich auch nicht sonderlich, vor allem als Blog. Was soll ein Tagebuch eigentlich sein? Ich möchte meine Gefühle ausdrücken, die ich sonst keinem mitteilen kann? Ich habe Menschen, denen ich alles mitteilen kann, was ich möchte. Oder will ich alles, was ich gemacht habe, dokumentieren, um mich später daran erinnern zu können? Ich mache ja auch nicht viele Fotos. Ich zitiere da am liebsten Fred Madison aus "Lost Highway": "I like to remember things my own way. Not necessarily the way they happened." Nächstes Problem des Blogs: Persönlich kann man doch eh nicht werden, da alles über das Internet verfügbar ist. Was man nur machen kann, ist viel Sinnlichkeit in einen "kühlen Styl" zu verpacken, wie Thomas Mann es genannt hat.
Worauf es also hinausläuft: Chicago ist verschwunden. Man stelle sich einfach vor, ich sei am nächsten Morgen aufgewacht und habe gemerkt, dass ich in einem Videospiel sei und das nächste Level erreicht habe. In diesem wurde ich nach Rom verfrachtet, weil diese Stadt der definite Endgegner meiner Leidenschaft ist. Und ich fand dort die Höhle Luperkal! Was für eine wahnsinnige Entdeckung das war und es ist an fast allen vorbeigegangen. So ein verdammt mythischer Ort. So schmutzig und wild und blutig und sexuell wie alles in Rom war. Der Kult der Luperkalien war damit verbunden, dass Priester, die sonst immer nackt sein mussten, mit nichts als einem zerschnittenen Ziegenfell bekleidet um den Palatin herumliefen und alles schlugen, was ihnen in den Weg kam. Da es sich dabei um ein Fruchtbarkeitsritual handelte, stellten sich ihnen oft Frauen in den Weg, um geschlagen zu werden, weil sie sich davon erhofften, leichter schwanger werden zu können. Bei einem dieser Feste sollte Marcus Antonius, der Priester der Luperkalien war, in einer abgesprochenen Inszenierung Cäsar die Königskrone anbieten, doch als das Volk den Braten roch und ungeduldig wurde, blies man die ganze Sache ab. Das war aber mit das Anfang vom Ende Cäsars.
Was ich sagen möchte: Nüchtern betrachtet sind die Stories aus der Alten Welt interessanter als die aus der Neuen Welt. Ich denke, wenn in Chicago jemand halbnackt durch die Straßen gelaufen wäre und dabei Frauen verprügelte, wäre die bigotte amerikanische political correctness dagegen eingeschritten und entweder hätte man den Nackten aus der Gemeinschaft verbannt oder andere Bevölkerungsgruppen hätten sich darüber beschwert, dass sie vom Fruchtbarkeitsritual ausgeschlossen werden.
Was aus Chicago noch übrigbleibt und nicht durch römische Rituale aus meinem Gedächtnis verdrängt werden kann, ist der Aufenthalt im Museum. Die Sammlung ist beeindruckend und wenn man sich anschaut, was die Amis sich in den letzten Jahren zusammengekauft haben, merkt man, dass die Kunst auch nur ein Mittel ist, um den Schmutz der harten, tödlichen Ideologie zu verhüllen. Der Zufall brachte es jedoch mit sich, dass das Museum aufgrund von Umbauarbeiten völlig uneinsichtig war und man mit einem Plan umherlaufen musste, um sich einigermaßen zurechtzufinden. In meiner maskulinen Einbildung dachte ich natürlich, auf den Plan verzichten zu können und ging einfach drauflos, wobei ich in den Bereich für asiatische Kunst geriet. Es war toll, sich die Holzschnitte und Malereien im Zustand der höchsten Konzentration anzuschauen, die man sich ja eigentlich für die bekannten Bilder aufhebt. Ganz bekannt ist natürlich Hokusais "Große Welle vor Kanagawa", von der ich eigentlich dachte, dass sie in New York zu finden ist. Aber auch andere Werke wie etwa dieses Bild, dessen Maler ich vergessen habe, waren beeindruckend. Besonders toll an dem Bild mit den Füchsen ist der damit verbundene Mythos, dass die Füchse an Neujahr sich zu Füßen eines Berges versammeln und sich in oder aus Feuergeistern verwandeln und damit auch für Fruchtbarkeit sorgen (wie man merkt, habe ich es nicht genau verstanden). Aber die mythische Story ist auch hier das, was mich reizt und insofern habe ich in Chicago und der japanischen Kunst nur etwas wiedergefunden, was ich die ganze Zeit eh nur suche.

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